Die zehn Gebote Gottes: Text und kurze Erklärung

Jeder Mensch wird mit einer Krankheit geboren, die man „Erbsünde“ nennt. Diese Krankheit drängt den Menschen dazu, verschiedene Sünden zu begehen. Von dieser Krankheit, ebenso wie vom Teufel und den Dämonen, von der Hölle, muss jeder Mensch gerettet werden. Rettung ist nur möglich durch unseren Erlöser Jesus Christus, durch ein Leben nach den Geboten Gottes und durch jene Kirche, die Er auf Erden zur Rettung der Menschen gegründet hat. Der Name „Orthodoxie“ weist auf den rechten Glauben hin, auf die wahre Kirche.

  1. Ich bin der Herr, dein Gott; du sollst keine anderen Götter haben außer mir.
  2. Du sollst dir kein Götzenbild machen und kein Abbild von dem, was oben im Himmel ist, noch von dem, was unten auf der Erde ist, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist; du sollst sie nicht anbeten und ihnen nicht dienen.
  3. Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen.
  4. Gedenke des Ruhetages, um ihn heilig zu halten. Sechs Tage sollst du arbeiten und all deine Werke verrichten; der siebte Tag aber ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht.
  5. Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit es dir wohl ergehe und deine Tage auf Erden lang seien.
  6. Du sollst nicht töten.
  7. Du sollst nicht ehebrechen.
  8. Du sollst nicht stehlen.
  9. Du sollst kein falsches Zeugnis ablegen gegen deinen Nächsten.
  10. Du sollst nicht begehren die Frau deines Nächsten, du sollst nicht begehren das Haus deines Nächsten, noch sein Feld, noch seinen Knecht … nichts von dem, was deinem Nächsten gehört.

Das Wesen dieser und auch aller anderen Gebote hat der Herr Jesus Christus so zusammengefasst:
„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit deinem ganzen Verstand. Dies ist das erste und größte Gebot. Das zweite aber ist ihm gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“
(Evangelium nach Matthäus 22,37–39).

Erklärung
1. Ich bin der Herr, dein Gott; du sollst keine anderen Götter haben außer mir.

Gott ist einer, und es gibt keine anderen Götter außer Ihm. Von Ihm geht alles Geschaffene aus, durch Ihn lebt alles, und zu Ihm kehrt alles zurück.
In Gott ist alle Kraft und alle Macht, und es gibt keine Kraft außerhalb Gottes. Sowohl die Kraft des Lichtes als auch die Kraft des Wassers, der Luft und des Steins sind Gottes Kraft. Wenn eine Ameise kriecht, ein Fisch schwimmt und ein Vogel fliegt, so geschieht dies durch Gott. Die Fähigkeit des Samens zu wachsen, des Grases zu atmen und des Menschen zu leben – all dies sind Fähigkeiten Gottes. All diese Fähigkeiten sind Eigentum Gottes, und jedes Geschöpf empfängt seine Fähigkeit zu existieren von Gott. Der Herr gibt jedem, so viel Er für nötig hält, und nimmt es zurück, wenn Er es für nötig hält. Darum: Wenn du die Fähigkeit erlangen willst, etwas zu tun, so suche sie nur bei Gott, denn der Herr Gott ist die Quelle der lebensspendenden und mächtigen Kraft. Außer Ihm gibt es keine anderen Quellen.

2. Du sollst dir kein Götzenbild machen …

Vergöttere nicht das Geschaffene anstelle des Schöpfers. Wenn du einen hohen Berg bestiegen hast und dort Gott begegnet bist – warum solltest du dann auf die Spiegelung in einer Pfütze am Fuße des Berges blicken? Wenn ein Mensch den Wunsch hatte, den König zu sehen, und es ihm nach großen Mühen gelungen ist, vor ihn zu treten – warum sollte er sich dann nach rechts und links umsehen und die Diener des Königs betrachten? Er kann dies aus zwei Gründen tun: entweder weil er sich nicht wagt, allein vor dem König zu stehen, oder weil er meint, der König allein könne ihm nicht helfen.

3. Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen.

Gibt es denn wirklich Menschen, die es wagen, ohne Grund und Notwendigkeit den Namen zu erwähnen, der Ehrfurcht und Zittern hervorruft – den Namen des Herrn, des allmächtigen Gottes? Wenn im Himmel der Name Gottes ausgesprochen wird, neigen sich die Himmel, die Sterne leuchten heller, die Erzengel und Engel singen: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth“, und die Heiligen und Gottesfreunde fallen nieder. Wer aber von den Sterblichen wagt es, den allerheiligsten Namen Gottes ohne inneres Zittern und ohne tiefes Seufzen aus Sehnsucht nach Gott auszusprechen?

4. Gedenke des Ruhetages, um ihn heilig zu halten. Sechs Tage sollst du arbeiten und all deine Werke verrichten; der siebte Tag aber ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht.

Sechs Tage schuf der Schöpfer, und am siebten Tag ruhte Er von Seinen Werken. Sechs Tage sind Tage der Arbeit, der Sorgen und der Vergänglichkeit; der siebte Tag aber ist Gott geweiht. Im Alten Testament war dieser Tag ein Tag der besonderen Hingabe an Gott: Das Volk versammelte sich zum Gebet, und im Tempel wurden Opfer dargebracht – als Zeichen des Dank es, der Reue und der Hingabe des Lebens an den Schöpfer. Als Gott die Welt schuf, trat Er in die Zeit ein, verließ aber nicht die Ewigkeit. Der siebte Tag weist den Menschen auf dieses Geheimnis hin: dass das Leben nicht im irdischen Arbeiten aufgeht und dass sein letztes Ziel die Gemeinschaft mit Gott ist.

Im Neuen Testament erfüllt sich dieses Gebot im Sonntag, dem Tag der Auferstehung Christi. Dies ist der wichtigste Tag im christlichen Leben, an dem sich die Kirche zur Feier der Göttlichen Liturgie versammelt. In der Liturgie bringen wir Gott nicht Tieropfer dar, sondern uns selbst – unser Leben, unsere Arbeit und unser Gebet – und empfangen das größte Geschenk: die Kommunion des Leibes und Blutes Christi. Darum bewahrt der Christ diesen Tag nicht nur als freien Tag, sondern als Tag der Begegnung mit Gott, als Tag der Eucharistie, als den Tag, um den sich das gesamte kirchliche Leben dreht.

5. Ehre deinen Vater und deine Mutter

Bevor du Gott erkannt hast, haben Ihn deine Eltern erkannt. Das allein genügt, damit du ihnen mit Ehrfurcht begegnest und ihnen Dank erweist. Ehre und achte jeden, der vor dir in dieser Welt das höchste Gut erkannt hat.

6. Du sollst nicht töten.

Gott hauchte jedem geschaffenen Wesen Leben aus Seinem eigenen Leben ein. Das Leben ist der kostbarste Schatz, den Gott gegeben hat. Wer sich an irgendeinem Leben auf Erden vergeht, erhebt die Hand gegen das kostbarste Geschenk Gottes – ja, gegen das Leben Gottes selbst. Wir alle, die heute leben, sind nur zeitweilige Träger des göttlichen Lebens in uns, Verwalter des kostbarsten Gutes, das Gott gehört. Darum haben wir weder das Recht noch die Macht, ein von Gott geliehenes Leben – weder unser eigenes noch das eines anderen – zu nehmen.

7. Du sollst nicht ehebrechen.

Gehe keine unerlaubte Verbindung mit einer Frau ein. Wahrlich, in diesem Punkt sind die Tiere Gott oft gehorsamer als viele Menschen.

8. Du sollst nicht stehlen.

Betrübe deinen Nächsten nicht durch die Missachtung seines Eigentumsrechtes. Handle nicht wie Füchse und Mäuse, wenn du dich für besser hältst als Fuchs und Maus. Der Fuchs stiehlt, ohne das Gesetz des Diebstahls zu kennen, und die Maus nagt am Speicher, ohne zu begreifen, dass sie jemandem Schaden zufügt. Beide verstehen nur ihr eigenes Bedürfnis, nicht aber den Schaden des anderen. Ihnen ist dieses Verständnis nicht gegeben – dir aber ist es gegeben. Darum ist dir nicht verziehen, was dem Fuchs und der Maus verziehen wird. Dein Vorteil muss immer gesetzmäßig sein und darf niemals zum Schaden deines Nächsten gereichen.

9. Du sollst kein falsches Zeugnis ablegen gegen deinen Nächsten.

Sei nicht lügnerisch – weder in Bezug auf dich selbst noch auf andere. Wenn du über dich selbst lügst, weißt du selbst, dass du lügst. Wenn du aber über einen anderen verleumderisch sprichst, weiß der andere, dass du ihn verleumdest.

10. Du sollst nicht begehren die Frau deines Nächsten, du sollst nicht begehren das Haus deines Nächsten, noch sein Feld, noch seinen Knecht … nichts von dem, was deinem Nächsten gehört.

Sobald du fremdes Gut begehrst, bist du bereits in die Sünde gefallen. Nun stellt sich die Frage: Kommst du zur Besinnung, hältst du inne – oder wirst du weiter die schiefe Ebene hinabgleiten, dorthin, wohin dich das Begehren des Fremden zieht? Das Begehren ist der Same der Sünde. Die sündige Tat ist die Ernte aus dem gesäten und gewachsenen Samen.

Nach den Schriften des heiligen Nikolaus von Serbien (Nikolaj Velimirović).