Glaubensbekenntnis: Text und kurze Erklärung
Das Glaubensbekenntnis ist eine kurze und genaue Zusammenfassung der grundlegenden Lehren des christlichen Glaubens, die auf den ersten beiden ökumenischen Konzilien formuliert und bestätigt wurde. Das Glaubensbekenntnis besteht aus zwölf Teilen.
Beim Taufritus muss der Täufling oder der Pate das Glaubensbekenntnis laut, sicher und deutlich vor Gott und den Menschen lesen – entweder auf Kirchenslawisch oder auf Deutsch.
- Ich glaube an den einen Gott, den Vater, den Allherrscher, den Schöpfer des Himmels und der Erde, alles Sichtbaren und Unsichtbaren.
- Und an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes einziggezeugten Sohn, den aus dem Vater Gezeugten vor aller Zeit, Licht vom Lichte, wahren Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, den dem Vater Wesenseinen, durch den alles geworden ist.
- Den um uns Menschen und unserer Errettung willen von den Himmeln Herabgestiegenen, der Fleisch geworden ist aus dem Heiligen Geist und der Jungfrau Maria, und Mensch geworden ist.
- Den für uns unter Pontius Pilatus Gekreuzigten, der gelitten hat und begraben worden ist.
- Den am dritten Tage Auferstandenen gemäß den Schriften.
- Den in die Himmel Aufgestiegenen, der zur Rechten des Vaters sitzt.
- Den mit Herrlichkeit Wiederkommenden, zu richten die Lebenden und die Toten, dessen Königtum ohne Ende sein wird.
- Und an den Heiligen Geist, den Herrn, den Lebensschaffenden, der aus dem Vater hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten.
- An die eine heilige, katholische und apostolische Kirche.
- Ich bekenne die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.
- Ich erwarte die Auferstehung der Toten
- und das Leben der künftigen Welt. Amen.
Erklärung
1. Ich glaube an den einen Gott, den Vater, den Allherrscher, den Schöpfer des Himmels und der Erde, alles Sichtbaren und Unsichtbaren.
Mit den ersten Worten des Glaubensbekenntnisses bekennen wir eindeutig und ohne Vorbehalt unseren Glauben an den einen Gott.
Es gibt keine anderen Götter und es hat sie niemals gegeben. Es gibt nur Ihn – den einen Schöpfer des gesamten Universums, der sichtbaren Welt (die unserer sinnlichen Wahrnehmung zugänglich ist) und der unsichtbaren Welt (zum Beispiel der körperlosen Geister). Es gibt nichts in dieser Welt – außer dem Bösen –, das nicht von Ihm geschaffen worden wäre.
2. Und an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes einziggezeugten Sohn, den aus dem Vater Gezeugten vor aller Zeit, Licht vom Lichte, wahren Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, den dem Vater Wesenseinen, durch den alles geworden ist.
In diesen Worten – und später auch im Bekenntnis zum Heiligen Geist – bekennen wir den Glauben daran, dass Gott dem Wesen nach einer ist, aber in den Personen dreifaltig. Der eine Gott hat sich der Welt als Dreifaltigkeit offenbart: als Vater, Sohn und Heiliger Geist. In diesem Abschnitt bekennen wir besonders die Göttlichkeit Jesu Christi, des Sohnes Gottes, der zweiten Hypostase der Heiligen Dreifaltigkeit. Er ist nicht lediglich ein großer Lehrer oder Prophet. Er ist wahrer Gott, wesenseins mit dem Vater, geboren vor aller Zeit. Er wird geboren, nicht geschaffen. Die Worte „durch den alles geworden ist“ bedeuten, dass Gott der Vater alles Seiende durch Seinen Sohn erschaffen hat. In der orthodoxen Theologie wird der Sohn auch Logos, das heißt Wort Gottes, genannt. Durch das Wort erschafft Gott die Welt.
3. Den um uns Menschen und unserer Errettung willen von den Himmeln Herabgestiegenen, der Fleisch geworden ist aus dem Heiligen Geist und der Jungfrau Maria, und Mensch geworden ist.
Jesus Christus ist Gott, der aus Liebe zu den Menschen, um sie von der Macht der Sünde zu befreien, Mensch geworden ist. Gemäß der Verkündigung des Erzengels Gabriel nahm Er Fleisch an aus dem Heiligen Geist und der Jungfrau Maria. Als wahrer Mensch erlebte Er Hunger, Durst, Müdigkeit und Leid. Nach dem Zeugnis der heiligen Väter war Er uns in allem gleich, außer in der Sünde. In Christus sind die göttliche und die menschliche Natur ungetrennt vereint. Er ist wahrer Gott und vollkommener Mensch.
4-5. Den für uns unter Pontius Pilatus Gekreuzigten, der gelitten hat und begraben worden ist. Den am dritten Tage Auferstandenen gemäß den Schriften.
Viele im Volk Israel erwarteten einen Messias, der sie politisch von der römischen Herrschaft befreien würde. Der Messias kam – und wurde gekreuzigt. Christus brachte keine politische Befreiung, sondern schenkte der Menschheit etwas unendlich Größeres: Durch Sein Leiden, Seinen Tod und Sein Begräbnis sühnte Er die Sünde und öffnete dem Menschen den Weg zum Heil und zum ewigen Leben. Christus ist am dritten Tag auferstanden, wie es die Heilige Schrift bezeugt. Durch Seine Auferstehung besiegte Er den Tod und schenkte dem Menschen die Hoffnung auf das ewige Leben.
6. Den in die Himmel Aufgestiegenen, der zur Rechten des Vaters sitzt.
Am vierzigsten Tag nach Seiner Auferstehung ist Christus in den Himmel aufgefahren und sitzt zur Rechten des Vaters. Damit wurde die durch die Auferstehung verwandelte menschliche Natur in das Geheimnis des göttlichen Lebens aufgenommen. Seitdem kann jeder Mensch Gott nahekommen, wenn er nach dem Evangelium lebt, die Gebote erfüllt und am Leben der Kirche und an den Sakramenten teilnimmt. Gott sieht das Bemühen des Menschen und schenkt ihm Seine Gnade.
7. Den mit Herrlichkeit Wiederkommenden, zu richten die Lebenden und die Toten, dessen Königtum ohne Ende sein wird.
Eines Tages – den niemand außer Gott kennt – wird Christus in Herrlichkeit wiederkommen. Dann wird das Jüngste Gericht stattfinden, bei dem sowohl die Lebenden als auch die Toten gerichtet werden. Danach wird das Reich Gottes offenbar werden, das kein Ende haben wird.
8. Und an den Heiligen Geist, den Herrn, den Lebensschaffenden, der aus dem Vater hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten.
Hier ist von der dritten Hypostase der Heiligen Dreifaltigkeit, dem Heiligen Geist, die Rede. Wir bekennen unseren Glauben an Ihn, beten Ihn an und verherrlichen Ihn ebenso wie den Vater und den Sohn. Wir bekennen auch, dass alle Propheten des Alten Testaments unter der Eingebung des Heiligen Geistes gesprochen haben. Zugleich wird hier jene persönliche Eigenschaft des Heiligen Geistes genannt, durch die Er sich vom Vater und vom Sohn unterscheidet: dass der Heilige Geist vom Vater ausgeht. Jesus Christus spricht darüber so:
„Wenn aber der Tröster kommt, den ich euch vom Vater senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird Zeugnis von mir geben“ (Joh 15,26). Der Heilige Geist wird Tröster genannt, weil Er die Seelen der Menschen mit Frieden, innerer Ruhe und geistlicher Seligkeit erfüllt.
9. An die eine heilige, katholische und apostolische Kirche.
Die Kirche ist ein gottmenschlicher Organismus: Sie besteht aus Menschen, doch ihr Haupt ist Jesus Christus selbst, und in ihr wirkt der Heilige Geist. Die Kirche ist heilig nicht deshalb, weil Christen vor Irrtümern und Verfehlungen bewahrt wären, sondern weil Gott trotz aller Fehler und Schwächen der Menschen in der Kirche bleibt und wirkt. Die Katholizität (Sobrornost) der Kirche bedeutet ihre Einheit. Wie der heilige Philaret von Moskau schrieb, ist die Kirche „weder auf Ort noch auf Zeit noch auf ein Volk beschränkt, sondern umfasst die wahrhaft Gläubigen aller Länder, Zeiten und Völker“. Die Kirche wird apostolisch genannt, weil die Apostel — die nächsten Jünger Christi — am Anfang ihres geschichtlichen Bestehens standen. Außerdem wird in der Kirche das apostolische Erbe bewahrt. Dies zeigt sich darin, dass die Kirche die Lehre bewahrt, die sie von den Aposteln empfangen hat, und dass in ihr durch das Sakrament der Priesterweihe die Gnade des Priestertums weitergegeben wird. So hat jeder geweihte Geistliche in geistlichem Sinn einen der zwölf Apostel Christi als seinen „Vorfahren“.
10. Ich bekenne die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.
Hier bekennen wir unseren Glauben an das Sakrament der Taufe als geistliche Geburt. Durch die Annahme der Taufe beginnt für den Menschen ein neues Leben als Christ. Das Sakrament der Taufe wird nur einmal im Leben gespendet. In ihr werden dem Menschen alle zuvor begangenen Sünden vergeben, und er erfährt eine neue, geistliche Geburt.
11-12. Ich erwarte die Auferstehung der Toten und das Leben der künftigen Welt. Amen.
Das Christentum besteht darauf, dass am Ende der Zeiten alle Verstorbenen auferstehen werden. Diese Wahrheit ist so grundlegend, dass der Apostel Paulus schreibt:
„Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, dann ist auch Christus nicht auferstanden … Dann sind auch die in Christus Entschlafenen verloren. Wenn wir nur in diesem Leben auf Christus hoffen, so sind wir die elendesten unter allen Menschen“ (1 Kor 15,13.18–19). Am Ende des Glaubensbekenntnisses wenden wir uns noch einmal der Zeit nach dem Zweiten Kommen Christi und dem Jüngsten Gericht zu. Wir fürchten diese Zeit nicht, sondern erwarten sie (das heißt: wir wünschen ihr Kommen), denn sie ist die Erfüllung der Hoffnung auf das ewige Leben.
